Von Wölfen und Schafen - Eine Geschichte der Winkelsteins

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    • Von Wölfen und Schafen - Eine Geschichte der Winkelsteins

      Von Wölfen und Schafen




      Es ist recht kühl und still an einem Morgen des Jahres 169 R.D. in der Provinz Muspelheim. Tau liegt auf den Gräsern, ein leichter Nebel liegt in der Luft und die Wellen von der See prasseln wie immer gegen die Küste. Der Morgen erscheint normal, aber die Wahrheit ist, dass er das nicht ist. Wenige Stunden nachdem sich die Sonne erhob und ganz Erianor erleuchtete, erhob sich in Muspelheim noch eine zweite Sonne. Jedoch befindet diese sich nicht am Himmelszelt, sondern auf einem weißen Banner mit einem roten Kreuz und einer schwarzen Raute.


      Es ist das Banner der Winkelsteins, welches nun über Muspelheim weht und unter welchem die Provinz erstrahlen wird.


      Doch das, was lange halten soll, bedarf guter Planung und Geduld. Und so blieben die Winkelsteins oft in provisorischen Hütten nahe der Berge, auf welchen die Burg errichtet wurde. Wirklich angenehm ist das Leben in provisorischen Hütten auf dem Gebiet seiner eigenen Grafschaft aber nicht, wie man sich unschwer vorstellen kann. Da jedoch die Burg Mausefels keine Straßenanbindung zu dem Gebiet hatte, auf welchem die Burg errichtet wurde, waren nur die Übernachtung in der Wildnis oder die lange Rückreise mit einem Boot eine Option.


      Da die Entscheidung auf ersteres fiel, durfte man auch mit den Nachteilen leben. Oftmals gab es Engpässe bei der Versorgung, eine Vielzahl an Schergen, welche das Unterfangen erschwerten, und nicht zuletzt setzten die eisigen Temperaturen auf den Kuppen der Berge den Bauarbeitern zu.


      Doch so schwer die Arbeit in Muspelheim auch war und noch ist, eine schützende Hand scheint dennoch über der Familie Winkelstein zu liegen.


      Als die Kälte auf den Bergkuppen von der Kleidung nicht mehr ausreichend abgewehrt werden konnte entdeckte man, dass sich auf jeder der drei Spitzen ein Schaf befand. Da man nur über einen Berg Zugang zu der kompletten Kette bekommt, war es anfangs nur möglich eins zu scheren. Das gewonnene Fell wurde dem Arbeiter gegeben, welcher es am nötigsten hatte, so wie man es von einer noblen Familie, wie den Winkelsteins, auch erwarten würde.


      Jedoch froren auch die anderen Arbeiter bitterlich. So bibberten und zitterten sie die ganze Nacht über, in der Hoffnung, die aufgehende Sonne noch mitzubekommen.

      Sie widerstanden der Kälte mit ihrer bloßen Willenskraft und ihrem Glauben in die aufgehende, in die neue Sonne über Muspelheim. Und ihr Wille sollte sich auszahlen...


      Als die Arbeiter am nächsten Tag den vordersten Berg betraten, fanden sie nun nicht mehr nur ein Schaf auf jenem vor. Mittlerweile waren auch die anderen beiden auf den vordersten Hügel gekommen. Es war ein göttliches Geschenk, welches allen Hoffnung spendete und den Glauben wach hält, dass es jemanden gibt, der über die Winkelsteins wacht.

      Mit diesem Bewusstsein worden die Schafe seit jeher geschoren, in Dankbarkeit daran, dass ihre Felle Wärme spenden.

      Ohne diese Schafe wäre der Burg- und Straßenbau nicht so schnell vorangekommen. Ohne sie hätte Muspelheim wohl seine Opfer gefordert.


      Ohne sie wäre das Land jetzt noch wild...




      ...und damit würden sie jetzt noch auf ihren Kuppen leben.


      Die brutale Wahrheit ist, dass durch den Bau der Burg an dieser Stelle die drei Schafe, wohl verängstigt von der Zivilisation, das Weite suchten und mittlerweile am Fuß der Berge entlang streifen. Sie wurden von den Winkelsteins verdrängt. Sie haben ihre Heimat an einen Stärkeren verloren.

      Nun flüchten die Schafe. Sie flüchten vor den Winkelsteins. Aber auch sie wissen, dass sie keine Chance haben werden auf ein Leben, wie es schon immer war. Denn egal wie weit sie laufen, egal wie viele Herausforderungen sie überstehen...


      Der Wolf ist bereits da. Und wo ein Wolf ist, da ist das Rudel nicht weit.


      Und das Rudel lebt, um zu siegen!